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Peri 3D Construction im Porträt // Ausgabe 1/2023

Vision wird Business

Der weltweit operierende Schalungs- und Gerüsthersteller PERI bündelt seine 3D-Druck-Aktivitäten unter der PERI 3D Construction GmbH. Die ausgegründete Tochtergesellschaft des Familienunternehmens hat ihren Hauptsitz in Weißenhorn. Das Team umfasst mittlerweile über 20 Mitarbeitende, mit Büros in Deutschland und den USA.

Porträt

Fast wie von Geisterhand bewegt sich der Drucker „COBOD BOD2“ Bahn für Bahn. Das Ergebnis ist kein bedrucktes Blatt Papier, sondern ein massives Gebäude aus Beton. Der Drucker hierfür passt wie zu erwarten nicht ins Regal. Er misst bis zu fünfzehn Meter Breite, zehn Meter Höhe und kommt von PERI 3D Construction aus Weißenhorn bei Ulm. Das Unternehmen liefert nicht nur den Drucker des dänischen Herstellers COBOD, sondern begleitet den Kunden durch den gesamten Bauprozess: „Wir bieten die Lösung für die Problemstellung des Kunden beim Gebäudebau, und das schneller, sicherer und effizienter“, sagt Geschäftsführer Dr. Fabian Meyer-Brötz über das Ziel des Unternehmens.

Ein Quadratmeter Hohlwand in fünf Minuten

Und der BOD2 ist schnell unterwegs: Wände werden mit 25 cm/s gedruckt. Für einen Quadratmeter Hohlwand benötigt der BOD2 zirka fünf Minuten. Doch bis die Technik so schnell wurde, war es ein weiter Weg. Das Thema 3D-Druck bei PERI startete im Bereich Forschung und Entwicklung vor etwa sieben Jahren. „Am Anfang waren wir glücklich, wenn wir zehn Bahnen aufeinander gedruckt haben, mit einem x-beliebigen Industrieroboter und Fertigmörtel aus dem Baumarkt. Das war wie das erste Mal Fahrradfahren: Da fällt man oft hin und muss dann wieder auf den Sattel steigen“, erzählt Meyer-Brötz.

„Wenn jemand unser Geschäft kaputt macht, dann wir selbst"

Zu Beginn wurde noch jede Bahn geprüft, und auch das Wetter musste einberechnet werden. Mittlerweile sitzt man aber fest im Sattel, denn der BOD2 zieht verlässlich wie ein Uhrwerk seine Bahnen und lässt die Wände wachsen – ganz automatisch, wetterunabhängig und ohne Schalung. Richtig, der weltweit tätige Schalungshersteller PERI arbeitet an einer Lösung für Betonwände ohne sein Kernprodukt. „Wir haben vor etwa sieben Jahren das Innovationsmanagement umgestellt, um auch disruptive Themen anzugehen und sich aktiv zu fragen: Was müsste passieren, damit unser Geschäft in Gefahr gerät? Ein bisschen platt ausgedrückt, würden wir sagen: Wenn jemand unser Geschäft kaputt macht, dann wir selbst. Deshalb beobachten wir nicht nur, sondern wollen ganz vorne dabei sein.“

„Wir helfen unserem Kunden schneller zu bauen.“

Dr. Fabian Meyer-Brötz, Geschäftsführer PERI 3D Construction GmbH

Die heutige Zeit ist geprägt von Wohnungsnot und Fachkräftemangel, gepaart mit Ressourcenknappheit. Der 3D-Druck kann hier eine Lösung bieten, da beispielsweise nur gedruckt wird, wo das Material sein soll. So kommen die Ressourcen effizienter und damit auch sparsamer zum Einsatz. Schlitze müssen nicht mehr im Nachgang für die Installation gezogen werden, sondern sind bereits im Druckprozess integriert. Das spart Zeit. Generell ist der Druck von Gebäuden schneller als der konventionelle Hausbau. „Wir helfen unserem Kunden schneller zu bauen”, erläutert Meyer-Brötz.

Und anders als vielleicht anzunehmen wäre, kann der Umgang mit dem 3D-Drucker innerhalb kürzester Zeit beherrscht werden: „Unsere Studenten erlernen die Technik innerhalb von zehn Tagen. Das bekommen Unternehmen auch hin“, unterstreicht Meyer-Brötz die schnelle Lernkurve beim 3D-Druck.

Aus einem Forschungsprojekt wird ein eigenes Business

Der 3D-Drucks hat viele Vorteile und eine große Nachfrage, daher hat sich aus dem Forschungsprojekt eine Ausgründung entwickelt. Damit werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: „Wir versuchen Start-up und Konzern zu mischen, um die Stärken beider Welten zu kombinieren“, erklärt Meyer-Brötz. Wie ein 3D-gedrucktes Haus ist mittlerweile auch das Team von PERI 3D Construction gewachsen: 20 innovative Köpfe aus den verschiedensten Ländern und mit unterschiedlichen Expertisen.

Was sie eint? Laut eigener Aussage, ihre Vision, die Welt zum Besseren verändern zu wollen und die Lust auf das Thema 3D-Druck im Bau. Der Lebenslauf spielt dagegen keine große Rolle, er darf auch unorthodox verlaufen sein und bringt neue Blickwinkel ins Team. „Wir sind immer noch wahnsinnig stolz auf jedes Objekt, das wir verwirklicht haben. Generell freue ich mich über jedes 3D-gedruckte Haus, auch wenn es nicht von uns kommt – solange die Qualität stimmt“, so Meyer-Brötz, und verdeutlicht, dass es nicht nur um eine Geschäftsidee geht, sondern um den Willen, etwas zu bewegen.

Die Tinte kommt von Heidelberg Materials

Wie ein Bürodrucker, braucht auch der BOD2 „Tinte“. Hier kommt Heidelberg Materials mit seinem Hightech-3D-Baustoff ins Spiel. Beide Unternehmen arbeiten bereits seit vielen Jahren im Bereich Betonschalung zusammen. Anfang 2019 gab es beim 3D-Druck die ersten Berührungspunkte: Gemeinsam wurden dann Europas erstes 3D-gedrucktes Wohnhaus in Beckum und das größte gedruckte Mehrfamilienhaus in Wallenhausen verwirklicht.

„Wir setzen bei unseren Kooperationen auf langfristige Partnerschaften und Werte wie Verlässlichkeit“, begründet Meyer-Brötz die seit Jahren bestehende Zusammenarbeit mit Heidelberg Materials. Gemeinsam wurden dabei auch Bereiche wie die Logistik, Qualitätssicherung und die Rolle der Sensorik angegangen und optimiert – Themen, die auf den ersten Blick nicht zentral erscheinen, aber zusammen ein Mosaik für erfolgreiche Projekte ergeben. „Wir arbeiten ganz bewusst mit Partnern zusammen, die alle eine Expertise mitbringen“, verdeutlicht Meyer-Brötz den Partnerschaftsgedanken.

Momentan wird auch gemeinsam gedruckt: In Heidelberg entsteht das größte 3D-gedruckte Gebäude Europas. Das zukünftige Rechenzentrum zeigt mit seiner unkonventionellen Form – ähnlich einem Vorhang –, was die Technologie kann und unterstreicht die Marktreife. PERI 3D Construction ist mittlerweile nicht nur in Deutschland unterwegs, sondern auch in den USA vertreten. Warum? Dort befindet sich der größte Markt für Einfamilienhäuser. Eine Entscheidung mit Perspektive.

Kritik? Ist Willkommen!

Die Vorbehalte gegenüber dem 3D-Druck sind weniger geworden, und jedes weitere Gebäude lässt sie weiter schrumpfen. Kritische Fragen sind willkommen. Das passt zur gelebten Offenheit des Weißenhorner Unternehmens. In den Gesprächen mit Skeptikern wird deutlich, an welchen Stellen noch eine Lösung erforderlich ist. Wie soll sich PERI 3D Construction entwickeln? Dazu hat Meyer-Brötz eine ganz klare Antwort: „Ich wünsche mir, dass wir über ein gedrucktes Gebäude nichts mehr in der Presse lesen. Das ist dann der Beweis, dass wir es geschafft haben, die Technologie zu etablieren. Wir wollen bezahlbaren Wohnraum schaffen. Deswegen wollen wir schnell, günstig und qualitativ hochwertig bauen. Das ist das Ziel.“

Grenzen sieht Meyer-Brötz allerdings nicht im 3D-Bau: „Wer uns kennt, der weiß, dass wir Klettersysteme für Hochhäuser im Portfolio haben. Der kletternde 3D-Drucker ist da doch relativ naheliegend.“ Die Bandbreite an Disruptivem hört in Weißenhorn beim 3D-Druck nicht auf: Unter anderem werden auch Themen wie 3D-gedruckte Bewehrungskörbe oder die weitere Automatisierung des Bauprozesses angegangen – es bleibt also spannend.

Eine Frage stellt sich allerdings noch: Wie wohnt es sich in solch einem Haus? Die Mieter in Wallenhausen sind noch immer die Erstbezieher. Meyer-Brötz Kommentar dazu mit Augenzwinkern: „Im Schwabenländle sagt man: Nicht gemeckert ist Lob genug.“

André Postel

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