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Seminargebäude für Gedenkstätte // Ausgabe 1/2024

Kunstwerk aus Leichtbeton

Im Rahmen der Erweiterung der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert entstand ein neuer dreigeschossiger Kubus aus Leicht- und Sichtbeton mit beeindruckender Formgebung.

Material

Auf einer Anhöhe im rheinland-pfälzischen Hinzert erstreckt sich, im Kontrast zum satten Grün der Umgebung, ein dreidimensionales Faltwerk aus Corten-Stahl: die Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert. Direkt hinter dem preisgekrönten Dokumentations- und Begegnungshaus ist jetzt ein nicht weniger beeindruckendes Gebäude aus Leicht- und Sichtbeton entstanden. Am Waldrand gelegen, ist es das neue Seminargebäude der Gedenkstätte. Die Entwurfsplanung stammt aus dem Büro Wandel Lorch Architekten und Stadtplaner. Das Projekt wurde durch Professor Wolfgang Lorch persönlich betreut.

Mit diesem Baustoff konnten sowohl die energetischen Anforderungen als auch
der Wunsch nach einer Sichtbetonoptik innen und außen erfüllt werden.

Önder Bahadir, Vertriebsaußendienst Spezialprodukte Süd-West von Heidelberg Materials Beton

Das Seminargebäude gründet auf einer quadratischen Grundfläche. Das jeweilige Geschoss besteht aus nur einem Raum. Während das Erdgeschoss auskragend konzipiert die Grundfläche für das darüber liegende Geschoss vergrößert, sind die weiteren Stockwerke zentriert konisch angelegt. Charakteristisch sind die Grundformen der Wände, die als Trapeze oder Dreiecke zueinander konzipiert sind. Zwei große Bullaugen sorgen in jedem Geschoss für den Lichteinfall. Gleichzeitig symbolisieren sie die Augen, die in den Wald sehen, in dem damals die Häftlinge des Lagers Zwangsarbeit leisten mussten. Der markante Kubus ragt als monolithisches Bauwerk mit einer Außenwandstärke von 55 Zentimetern ganz aus Leichtbeton in die Höhe. „Aufgrund der Ausführung der Wände und in Abstimmung mit den Architekten sowie Bauherren fiel die Wahl auf unseren Leichtbeton“, berichtet Önder Bahadir, Vertriebsaußendienst Spezialprodukte Süd-West von Heidelberg Materials Beton. „Mit diesem Baustoff konnten sowohl die energetischen Anforderungen, als auch der Wunsch nach einer Sichtbetonoptik innen und außen erfüllt werden.“

Komplette Schalung echte Handwerksarbeit

„Hier konnte man die Wasserwaage fast vergessen“, beschreibt Jürgen Zinßmeister, Betonbaumeister und Inhaber der Z-Bau Bauunternehmung GmbH, „das Bauwerk ist ein Kunstwerk. Nichts ist gerade und rechtwinkelig konstruiert. Alle Ecken und Kanten sind schräg. Wir konnten hier nichts Fertiges verwenden und nicht ein Schalungselement setzen.“ Daher setzte der Bauunternehmer aus seiner über 40-köpfigen Belegschaft einen Top-Polier mit drei Mitarbeitern vor Ort ein, die in echter Handwerksarbeit die komplette Schalung herstellten. Die Formen mussten abgebildet und die Gewichte abgefangen werden. Die Schalungen aus massivem Holz wirkten wie ein Bollwerk, dicht an dicht reihten sich die Konstruktionshölzer. Lediglich für die Bullaugen fertigte Z-Bau zwei Schalungslemente, die wiederverwendbar in jedem Geschoss eingesetzt werden konnten. „Das ist Leidenschaft und unser Herzblut“, betont Jürgen Zinßmeister, „Auch wenn diese komplexen Projekte für uns ein nicht unerhebliches Risiko bergen, bemühen wir uns um deren Realisation. Dazu prüfen wir mit all unserer Erfahrung und dem Know-how unserer eigenen Mitarbeiter die Machbarkeit und gehen an die Grenze des für uns Vertretbaren.“

Hier konnte man die Wasserwaage fast vergessen, das Bauwerk ist ein Kunstwerk.

Jürgen Zinßmeister, Betonbaumeister und Inhaber der Z-Bau Bauunternehmung GmbH

Neigung und Verdichtung als Herausforderung

Ein weiteres Know-how verlangte die Wahl des Betons. Das Spezialprodukt Leichtbeton unterscheidet sich aufgrund der jeweiligen Zuschlagstoffe in seiner Trockenrohdichte. Dem Leichtbeton in Hinzert mit der Druckfestigkeitsklasse LC12/13 und einer Rohdichteklasse D1.2 (1000 bis 1200 kg/m3) wurde Blähton zugegeben. Damit liegt er deutlich unter den Werten von Normalbeton (2000 bis 2600 kg/m3). „Aufgrund des geringeren Eigengewichts hat sich unser ganzes Augenmerk als Betonbauer dann auf die Verdichtung des Betons gerichtet“, erklärt Jürgen Zinßmeister. „Hinzu kam bei den Wänden des Seminargebäudes, dass diese schräg geneigt sind und hier eine ungewollte Entmischung stattfinden konnte. Aber in Abstimmung mit Önder Bahadir haben wir die optimale Vorgehensweise entwickelt.“ Das fing beim Betonkübel an. Mit zwei Kubikmetern brachte er für den Einbau mehr Fassungsvermögen mit. Darüber hinaus benötigte es beim Verdichten das nötige Feingefühl und die fachgerechte Sorgfalt. So wurden bei den schrägstehenden Wänden die Betonrüttler über KG-Rohre an die jeweilige Position geführt. Fundamente und Decken wurden in Normalbeton ausgeführt. Um den energetischen Anforderungen zu genügen, wurden die Wände über das Geschoss hinaus betoniert und die Decken mittels Rückbiegeanschlüsse einhängend hergestellt.

Gemeinsam erfolgreich für Leuchtturmprojekt

„Solche Leuchtturmprojekte finden natürlich eine große Aufmerksamkeit, doch es ist nicht unser erstes Projekt mit Leichtbeton, und die Zusammenarbeit mit Heidelberg Materials Beton passte stets auf den Punkt“, betont Jürgen Zinßmeister. Das Seminargebäude wurde in vier Betonagen hergestellt. „Für die Einhaltung der Qualität des Leichtbetons wurden die Betonlabore immer miteinbezogen“, so Önder Bahadir. So wurde beispielsweise die Schüttrohdichte des Blähtons als Vergleichswert für die Produktion gemessen. Am Tag der Produktion wurde dann auf Basis der Messungen des Betonlabors die entsprechende Zugabe von Wasser unter Berücksichtigung der Saugfeuchte des Blähtons für die definierte Güte bestimmt. Die Betotech Baustofflabor GmbH, ein Tochterunternehmen der Heidelberg Materials AG, stand dem Bauunternehmen zudem zur Eigenüberwachung zur Verfügung. Zu den projektbezogenen Aufgaben zählte das Fertigen von je drei Probekörpern für den Bauunternehmer. Des Weiteren prüfte ein Baustoffprüfer beim Ablassen des Betons die Mischung hinsichtlich der Konsistenz und Frischrohdichte und unter anderem auch die Temperatur des Betons. Ein Bauwerk wie das Seminargebäude in Hinzert kann aufgrund seiner Kubatur nur in monolithischer Bauweise erstellt werden. Um den bauphysikalischen und energetischen Anforderungen gerecht zu werden, war das Spezialprodukt Leichtbeton geradezu prädestiniert dafür. Mit dem fachmännischen Know-how von erfahrenen Betonbauern lassen sich auch komplexe Gebäude und Handwerkskunst am Bau mit Leichtbeton in überzeugender Sichtbetonoptik herstellen.

Frank Barthel

Objektsteckbrief

Projekt: Neubau eines Seminargebäudes, Erweiterung der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert
Bauherr: Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung, Rheinland-Pfalz, lbb.rlp.de
Architekten: Wandel Lorch Architekten und Stadtplaner, Frankfurt/Main
Bauunternehmen: Z-Bau Bauunternehmung GmbH, Friedrichsthal
Beton: Heidelberg Materials: Leichtbeton LC 12/13 D1.2; Normalbeton, Werk Ellenberg Fertigstellung: August 2023

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